Marktarchiv Mering stellt sich neu auf
Anton Schlickenrieder übernimmt die Leitung nach dem Tod von Dieter Bordon
Im Meringer Marktarchiv wird wieder gezielt gearbeitet. Nachdem im April letzten Jahres dessen Leiter Dieter Bordon verstarb, ruhte der Betrieb etliche Monate oder wurde von den Archivhelferinnen und -helfern Josef Weishaupt, Günter Bernreiter und Heidi Ziegler auf Sparflamme gefahren. Weishaupt als IT-Spezialist verwaltete und sicherte übergangsweise die vorhandenen Dateien und sorgte so dafür, dass nichts verloren ging.
Im Laufe des Herbsts hat sich auf Anregung von Bürgermeister Florian Mayer ein Team gebildet, dessen Aktionen von Anton Schlickenrieder organisiert werden. Letzterer ist 2. Vorsitzender des Heimatvereins Mering und Autor zahlreicher Beiträge im 2012 erschienenen Heimatbuch „1000 Jahre Mering 1021 – 2021“, kennt sich also in der Heimatgeschichte gut aus und besitzt aufgrund seiner früheren Tätigkeit als Lokalredakteur der „Friedberger Allgemeinen“ auch die nötigen Kontakte. Ihm zur Seite stehen weitere archivkundige Ehrenamtliche, die sich bereit erklärt haben, mitzuarbeiten.
Da ist zum einen Martin Lidl, der sich vor allem mit Expertisen zum Brandschutz und zur Sicherheit dienen kann, ist er doch Berufsfeuerwehrmann. Lidl unterstützt aktuell schon Günter Bernreiter bei der Aufarbeitung diverser Nachlässe, die das Archiv im Bauhof der Marktgemeinde inzwischen erreicht haben. Antonia Rottenkolber bringt als Handbuchbindemeisterin das Werkzeug mit, Schäden an der Substanz der Unterlagen zu erkennen und im Archiv Maßnahmen zu ergreifen, solche zu beheben und künftig zu verhindern. Eine fachlich große Unterstützung für das Laienteam bedeutet die Mithilfe von Carolin Vogelgsang-Mittring; die Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste ist auch gleichzeitig Historikerin.
Natürlich machte man sich bei der Archivpflege-Fachstelle am Landratsamt Aichach-Friedberg Sorgen nach dem Tod von Dieter Bordon, wie es weitergehen könnte. Die für Mering zuständige ehrenamtliche Archivpflegerin ist Gabriele Victoria Schaffner und sie war beruhigt, als sich endlich jemand auf ihre dringenden Anfragen hin meldete. Denn eigentlich ist ihrer Auffassung nach das Meringer Marktarchiv in ordentlichen Räumlichkeiten untergebracht und gut sortiert. Aber es lassen sich nicht wirklich alle Archivalien recherchieren. Und, so die Auffassung der Archivpfleger am Landratsamt, dürfe eine Gemeinde von der Größe Merings die Pflichtaufgabe Archivwesen nicht allein und federführend von Ehrenamtlichen erledigen lassen. „Mit unterstützender Beratung und entsprechenden Schulungen oder einer ergänzenden, möglicherweise in Teilzeit angestellten Kraft, sehe ich das Archiv in sehr guter Betreuung“, schreibt Schaffner an Bürgermeister Mayer.
Bislang existiert zwar eine von Bordons Vorgänger Helmut Rischert erstellte Liste an Schlagworten auf der Basis des Einheitsaktenplans, es gibt auch einen Server, auf dem die Daten hinterlegt sind. Eine durchgängige praktische Lösung muss aber erst noch geschaffen werden. Und Anfragen von außen gibt es immer wieder, feste Besuchszeiten aber noch keine, Forschung ist aktuell also nur mithilfe des Archivteams möglich.
Ein Problem stellen auch die nicht vorhandene digitale Archivdatenbank und die unumgänglich nötige Abstimmung mit der Registratur im Meringer Rathaus dar. Das Archivgesetz gibt bestimmte Fristen vor, nach deren Ablauf Personenstandsdaten vom aktuellen Bestand in den eines Archivs überführt werden müssen. Das geht wesentlich einfacher, wenn die verwendeten Systeme identisch sind. Bislang gibt es aber nicht einmal im Meringer Rathaus ein entsprechendes Langzeitarchivierungssystem. Wird hier nichts eingeführt, droht im schlimmsten Fall die Gefahr eines Datenverlustes.
Bürgermeister Florian Mayer freut sich, dass er Anton Schlickenrieder für das Meringer Archiv gewinnen werden konnte und damit auch der Wunsch seines verstorbenen Vorgängers Dieter Bordon in Erfüllung gegangen ist, dessen Wunschnachfolger der Ex-Redakteur war. Außerdem wird Wolfgang Wrba sich um die Integration des digitalen Archivs des Ortsteils St. Afra kümmern und damit sicherstellen, dass auch die Anfänge des Ortsteils Teil des Marktarchivs werden und keine Daten verloren gehen.
Gerne dürfen sich telefonisch melden, wer Interesse am Archivwesen und an einer Mitarbeit hat, darf sich gerne unter dem neu eingerichteten Telefonanschluss mit der Rufnummer 08233/3801-730 oder eine Mail an archiv@markt-mering.de richten.
Bild (Marina Folgmann, von links): Heidi Ziegler, Anton Schlickenrieder, Bürgermeister Florian A. Mayer, Martin Lidl, Wolfgang Wrba, Josef Weishaupt, Antonia Rottenkolber, Günter Bernreiter, Carolin Vogelgsang-Mittring und Gabriele Victoria Schaffner.